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Kapitel 02 · Vom Hof in die Industrieregion

Essen‑Steele
neue Wege

Eine Heirat führt 1760 von Altenbochum nach Kray‑Leithe. Über sechs Generationen verändert sich das Umfeld: Aus der bäuerlichen Welt wird eine dicht vernetzte Industrieregion.

In Kirchen- und Personenstandsquellen belegtAus der FamilienchronikHistorische Einordnung

Der Ortswechsel

Nur wenige Kilometer – und doch ein neuer Anfang

Der Weg von Altenbochum nach Kray‑Leithe war kurz. Für die Familiengeschichte war er entscheidend.

Georg Heinrich Friemann war als nachgeborener Sohn nicht für die Übernahme des Altenbochumer Hofes bestimmt. Durch seine Heirat mit Anna Gertrud Grüggel übernahm er 1760 die Stellung des Aufsitzers auf dem Hof Schulte Ising. Herkunftsname, Hofname und gesellschaftliche Aufgabe verbanden sich fortan in der Form „Friemann genannt Schulte Ising“.

1760Heirat in St. Laurentius und Übergang nach Kray‑Leithe
6 Generationenvom Schultenhof bis zu Johann Wilhelm und Ernestine
SteeleKirchort, Lebensraum und Mittelpunkt der neuen Linie
Historische Rekonstruktion eines westfälischen Schultenhofes mit Feldern, Kartenausschnitt und Urkundenfragmenten
Hof Schulte Ising in Kray‑Leithe · historische Rekonstruktion

Georg Heinrich und Anna Gertrud

Der Hofname wird Teil des Familiennamens

Am 15. Juli 1760 heiratete Georg Heinrich Friemann in St. Laurentius die Witwe Anna Gertrud Grüggel. Sie brachte aus ihrer ersten Ehe mit Johann Albert Schulte Ising fünf Kinder mit. Georg Heinrich wurde Aufsitzer des Hofes in Kray‑Leithe; aus der gemeinsamen Ehe gingen drei Kinder hervor.

Die Quellen nennen ihn „Friemann genannt Schulte Ising“ oder „Fryman gen. Ising“. Der Zusatz bezeichnete die Verbindung zum Hof und die dort ausgeübte Stellung – nicht die Entstehung einer neuen, unabhängigen Familie.

Quellenstatus: Familienchronik Band 2 mit EinzelnachweisenDie Angaben zu Heirat, Bestattung und Familienverbindungen folgen den in Familienchronik Band 2 ausgewerteten Kirchenbucheinträgen. Eine wesentliche Grundlage bildeten dabei Informationen, die uns FaZiT – Familienzusammenführung im Team für die gemeinsame Familienforschung zur Verfügung gestellt hat. Die Beschreibung der sozialen Bedeutung des Hofnamens ist historische Einordnung.

Name und Stellung

FriemanngenanntSchulte Ising

„Schulte“ bezeichnete den Verwalter oder Aufsitzer eines größeren Hofes. „Ising“ war der überlieferte Hofname. In den Kirchenbüchern konnten je nach Schreiber unterschiedliche Formen nebeneinander erscheinen.

Vom Land zur Stadt

Steele im Wandel

Die Linie blieb in derselben Region – doch die Region veränderte sich grundlegend.

Im späten 18. Jahrhundert war Kray‑Leithe noch landwirtschaftlich geprägt. Im 19. Jahrhundert wuchsen Bergbau, Verkehr und Industrie; Steele wurde stärker mit den benachbarten Orten verflochten. Die wechselnden Lebensorte der Familie – Steele, Königssteele, Niederbonsfeld und Rellinghausen – spiegeln diese Bewegung innerhalb des entstehenden Ruhrgebiets.

Historische Collage: vom Bauernhof über den Steeler Marktplatz zur Zeche, Eisenbahn und Industriestadt
Vom Ackerbau über Bergbau und Eisenbahn zur Industriestadt · historische Rekonstruktion

Die direkte Linie · G15 bis G20

Sechs Generationen zwischen Hof und Industriestadt

G17
1822–1890 · Steele

Johann Heinrich Friemann · Christina Elisabeth Wölting

Mit neun Kindern wächst die Familie in der Zeit des industriellen Umbruchs.

G18
1848–1878 · Königssteele

Heinrich Wilhelm Friemann · Margaretha Ort

Die Linie setzt sich über den 1878 geborenen Sohn Heinrich Wilhelm fort.

G19
1878–1958 · Niederbonsfeld · Rellinghausen

Heinrich Wilhelm Friemann · Emma Ruhrmann

Die Lebensorte zeigen die zunehmende Bewegung innerhalb der Industrieregion.

G20
1910/11–1944/99 · Steele · Rellinghausen

Johann Wilhelm Friemann · Ernestine Schirmer

Mit ihren Enkeln Jürgen und Markus Friemann beginnt Jahrzehnte später ein neues Kapitel: die gemeinsame Erforschung und Bewahrung der Familiengeschichte.

Historische Rekonstruktion von St. Laurentius in Essen-Steele mit Kirchenbuch, Trauringen und Taufstein
St. Laurentius als Ort von Taufe, Heirat und Bestattung · historische Rekonstruktion

Kirchlicher Mittelpunkt

St. Laurentius in Steele

Taufen, Heiraten und Bestattungen machen die Pfarrkirche zu einem wichtigen Erinnerungsort.

In St. Laurentius heirateten Georg Heinrich Friemann und Anna Gertrud Grüggel. Georg Heinrich wurde 1809 auf dem Laurentius‑Friedhof bestattet. Die Kirchenbücher bilden für die ältere Steele‑Linie eine zentrale Quelle, bevor staatliche Personenstandsregister flächendeckend geführt wurden.

Quellenstatus: durch Kirchenbuch- und Personenstandsdokumente belegtSt. Laurentius begegnet uns über mehrere Generationen hinweg als wiederkehrender historischer Ort der Familie. Belegt wird dies durch Kirchenbuchauszüge, die uns FaZiT – Familienzusammenführung im Team für die Forschung zur Verfügung gestellt hat, sowie durch Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden, die wir vor allem vom Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv erhielten.

Wegmarken

Von 1760 bis 1944

1760

Neuer Hof

Heirat und Übergang nach Kray‑Leithe.

1821/22

In Steele

Heirat von Johann Heinrich Georg und Geburt des Sohnes Johann Heinrich.

1847

Familie wächst

Johann Heinrich heiratet Christina Elisabeth Wölting.

1901

Neue Lebensorte

Heinrich Wilhelm und Emma Ruhrmann heiraten.

1933/44

Johann & Ernestine

Heirat 1933; Johann Wilhelm stirbt 1944 in der heutigen Ukraine.

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Altenbochum am Hellweg

Das vorausgehende Kapitel erzählt von den Freien, dem Freihof und der überlieferten Herkunft des Namens Friemann.

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