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Kapitel 01 · Seit 1321 urkundlich fassbar

Altenbochum
am Hellweg

Hier beginnt die bekannte Geschichte der Familie: bei freien Hofbesitzern, alter Gerichtsbarkeit und einem Hof, dessen Name über Jahrhunderte weitergetragen wurde.

Urkundlich belegtAus der FamilienchronikGenealogische Einordnung
Altenbochum am westfälischen Hellweg · historische Rekonstruktion nach Familienchronik Band 1

Ort und Landschaft

Eine Siedlung freier Höfe im Buchenwald

Altenbochum lag an einer der prägenden Verkehrs- und Rechtsachsen Westfalens: dem Hellweg.

Die Chronik beschreibt den Ort als frühe Ansiedlung freier Höfe im Gebiet des „Bockholt“, des Buchenwaldes. Händler, Pilger und Heere zogen über den Hellweg; zugleich bildeten Höfe und Freistühle die örtliche Ordnung. In diesem Umfeld erscheint im frühen 14. Jahrhundert ein Name, aus dem sich später „Friemann“ entwickelte.

1321älteste bekannte Nennung des Sybertus der Vryge
HellwegHandelsstraße, Verkehrsweg und Rechtsraum
FreihofBesitz, Lebensgrundlage und Teil der Gerichtsordnung
Rekonstruierte Karte von Altenbochum am westfälischen Hellweg zwischen Rhein, Ruhr und Emscher mit dem Waldgebiet Bockholt
Altenbochum am westfälischen Hellweg (Rekonstruktion)

Hellweg und Bockholt

Ein Lebensraum zwischen Fernstraße und Buchenwald

Der Hellweg verband Rhein und Weser und brachte Händler, Pilger, Heere und neue Rechtsformen in die Region. Südlich und nördlich dieser Achse erstreckten sich Siedlungen und Waldflächen, die in der Überlieferung mit „Bockholt“ – dem Buchenholz oder Buchenwald – verbunden werden.

Der Wald war Wirtschaftsraum, Grenzlandschaft und Ort der Rechtsprechung. Holz, Weide und Jagd trafen hier auf Freistühle und Malstätten. In diesem Umfeld lagen die freien Höfe, aus deren Besitzern sich die Schöffen der Bochumer Freigerichte rekrutierten.

Quellenstatus: historische EinordnungZusammengeführt nach Familienchronik Band 1, insbesondere den Abschnitten zum Hellweg, zum Bockholt und zur Freigerichtsbarkeit.

Ein Name verändert sich

Vryge · Vryman · Vriemann · Friemann

der Vrygeder FreieVrymanmittelalterliche FormVriemannspätere SchreibweiseFriemannheutige Form

Die Schreibweisen wechseln in den Quellen. Die dargestellte Entwicklung ist eine genealogische Einordnung der Familienchronik; sie ersetzt nicht den Nachweis jeder einzelnen Namensstufe.

Recht und Verantwortung

Die Sieben Freien des Bochumer Landes

Frei zu sein bedeutete im mittelalterlichen Westfalen auch, Verantwortung für die Rechtsprechung zu tragen.

Nach den in der Chronik ausgewerteten Forschungen gehörten sieben freie Höfe zur Schöffenbank der Bochumer Freigerichte. Ihre Besitzer wirkten am Freistuhl an Urteilen mit. Der Hof „Frieman zu Altenbochum“ erscheint später unter den kurfürstlichen Freihöfen der Region.

Mittelpunkt über Generationen

Der Friemann-Hof

Der Hof war zugleich Wirtschaftsgrundlage, Wohnort und sichtbarer Ausdruck der besonderen Rechtsstellung seiner Besitzer. Noch 1931 wurde die Hofanlage an der Buselohstraße als weitläufiges westfälisches Anwesen beschrieben.

Historische Rekonstruktion des Hofbrands von 1833, der Rettung von Dokumenten und des Wiederaufbaus 1834
Hofbrand 1833 und Wiederaufbau 1834 · historische Rekonstruktion nach der Überlieferung in Familienchronik Band 1

Familienüberlieferung · 1833

1833

Als der Hof in Flammen stand, rettete Elisabeth die Urkunden.

Nach der Familienchronik zerstörte ein Brand den Friemann-Hof und den benachbarten Hof Puttmann. Anna Maria Elisabeth Mummenhoff soll die wichtigsten Akten in ihrer Schürze gesammelt haben und durch ein Fenster ins Freie gesprungen sein.

Der genaue Ablauf ist archivalisch nicht belegt und wird in der Familienchronik als Familienüberlieferung wiedergegeben. Die Erzählung prägt die Familienerinnerung: Ohne die geretteten Unterlagen wäre ein wesentlicher Teil der Überlieferung verloren.

Wiederaufbau · 1834

„Erbaut 1834 von Witwe Friemann geb. Elisabeth Mummenhoff und deren Sohn Georg-Heinrich Friemann“

Die in der Chronik wiedergegebene Balkeninschrift verbindet Zerstörung und Neubeginn. Der Hof wurde wiederaufgebaut; die geretteten Dokumente blieben als Gedächtnis der Familie erhalten.

Atmosphärische historische Rekonstruktion eines steinernen Taufsteins in St. Peter und Paul
Der Taufstein als Symbol familiärer Kontinuität · historische Rekonstruktion nach Familienchronik Band 1

Beständigkeit in Stein

Der Taufstein von St. Peter und Paul

Die Bochumer Propsteikirche verbindet Familiengeschichte, Stadtgeschichte und kirchliche Überlieferung.

Nach der Familienchronik wurden an ihrem historischen Taufstein zahlreiche Angehörige der überlieferten Friemann-Linie getauft. Der Stein überstand die Kirchenbrände von 1517 und 1920 und wurde für die Familie zu einem Symbol der Kontinuität.

Wichtige Linien und Generationen · G01 bis G19

Sieben Porträts zwischen Freigrafen, Hof und Stadt

Die Auswahl folgt prägenden Personen und Paaren aus Band 1. Die beiden Einträge G18 stehen für zwei Brüder und damit für zwei unterschiedliche Wege derselben Generation: Franz führte den Hof weiter, Heinrich Wilhelm wechselte in das städtische Gewerbe.

G01
vor 1280 – nach 1327 · Altenbochum · Hellweg

Sybertus der Vryge von Aldenbochum

Sybertus ist der erste urkundlich nachgewiesene Ahnherr des Geschlechts und steht als freier Grundbesitzer und Freigraf von Bochum am Beginn der fassbaren Familiengeschichte.

G02
vor 1342 – nach 1359 · Altenbochum · Frielinghausen

Everhardus der Vryge und N. N. von Vrylinghausen

Durch Amt und Heirat verband Everhardus zwei Bochumer Freigrafenfamilien und führte die rechtliche Tradition seines Vaters fort.

G03
vor 1360 – nach 1373 · Dortmund · Bockholt

Johannes Vryman von der Buchholte

Johannes wurde 1360 von Kaiser Karl IV. als Freigraf bestätigt und wirkte mindestens dreizehn Jahre am Königshof vor Dortmund.

G17
1797–1864 · 1811–1848 · Altenbochum

Georg Johann Heinrich Friemann und Maria Clementine Dahm

Das Paar führte den Altenbochumer Hof in einer Zeit weiter, in der aus dem ländlichen Bochumer Raum schrittweise eine Industrieregion wurde.

G18
1841–1904 · 1857–1907 · Altenbochum

Franz Friemann und Agnes Siepmann

Elf Kinder wuchsen auf einem Hof auf, dessen landwirtschaftliche Welt zunehmend von Bergbau, Stadtwachstum und neuen Berufen umgeben war.

G18
1843–1909 · 1849–1923 · Altenbochum · Bochum

Heinrich Wilhelm Friemann und Agnes Kabeisemann

Der Bruder des Gutsbesitzers Franz verließ den rein bäuerlichen Weg und begründete mit Agnes Kabeisemann eine Bochumer Unternehmerfamilie.

G19
1886–1967 · Altenbochum · Bochum · Essen

Heinrich Theodor Friemann

Als Kaufmann, Archivar und Familienforscher bewahrte Heinrich Theodor das Familiengedächtnis. Seine Recherchen, seine Chronik und sein Nachlass bilden bis heute eine wesentliche Grundlage unserer Forschung.

Fünf Wegmarken

Altenbochum in der Familienchronik

1321

Sybertus der Vryge

Früheste bekannte urkundliche Nennung in Altenbochum.

1342

Everhardus

Als Everd von Altenbochum, genannt Vryge von Vrilinchusen, in den Regesten genannt.

1389

Der Freihof

Hanns Vrymann erscheint als einer der Sieben Kurfürstlichen Freien des Freistuhls zu Bochum.

1833

Der Hof brennt

Der Freihof und der benachbarte Hof Puttmann werden zerstört.

1834

Wiederaufbau

Elisabeth Mummenhoff und Georg Heinrich Friemann bauen den Hof wieder auf.

Grundlagen unserer Forschung

Quellen und Dank

Die wichtigste Grundlage für dieses Kapitel bildeten die Bestände des Stadtarchivs – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte. Von besonderer Bedeutung war der dort verwahrte Nachlass von Theodor Heinrich Friemann, der in der archivischen Korrespondenz als „Nachlass Friemann, Heinrich“ bezeichnet wird. Das Findbuch und die im Lesesaal bereitgestellten Archivalien eröffneten uns einen unmittelbaren Zugang zu Dokumenten, die für die Geschichte der Familie in Altenbochum von zentraler Bedeutung sind.

Unser besonderer Dank gilt den freundlichen und außerordentlich kooperativen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Stadtarchivs Bochum. Sie bereiteten unseren Besuch sorgfältig vor, stellten das Findbuch sowie gewünschte Archivalien zur Verfügung und unterstützten unsere Nachforschungen mit großer Hilfsbereitschaft.

Weitere historische Einordnungen und Hinweise entnahmen wir den öffentlich zugänglichen Informationen der Kortum-Gesellschaft Bochum e. V., der Vereinigung für Heimatkunde, Stadtgeschichte und Denkmalschutz. Zusammengeführt und genealogisch eingeordnet werden diese Quellen in „Friemann aus Altenbochum – Familienchronik Band 1“, vierte Auflage 2026, erstellt von Jürgen Friemann auf Grundlage der gemeinsamen Familienforschung von Jürgen und Markus Friemann.

Die Geschichte geht weiter

Von Altenbochum nach Essen-Steele

1760 führte eine Heirat den Familienzweig zum Hof Schulte Ising nach Kray-Leithe. Im nächsten Kapitel führt der Weg über Steele bis zu Johann Wilhelm Friemann und Ernestine Schirmer.

Kapitel Essen-Steele öffnen